Bundesverband der
Siebenbürger Sachsen in Österreich

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Verband
Geschichte
Die Siebenbürger Sachsen in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie

 

Von Dr. Jost Linkner, Wels

 

Wenn man die ehrenhafte Aufgabe erhält, über die zweihundertfünfzigjährige Geschichte des Kronlandes Siebenbürgen im Schoße der K.u.K.-Monarchie auf 10 Seiten zu berichten - noch dazu einschließlich von Illustrationen - dann bleibt einem nichts übrig, als sich auf das Allerwesentlichste zu beschränken. Dabei wird auch ein kurzer Rückblick auf das vorhergehende Jahrhundertm unumgänglich, zur richtigen Einschätzung des Geschehens in der zu schildernden Epoche.

 

Der erwähnte Zeitraum erstreckt sich vom Ende des 17. Jahrhunderts - Siebenbürgen wird österreichisches Fürstentum - bis zum Ende des I. Weltkrieges - Zerschlagung der Doppelmonarchie - also von 1691-1918.

 

Was das Jahrhundert vorher anbelangt, so war dieses voller politischer und kriegerischer Wirren, die von außen (Türken, Tataren, Österreichern, ungarischen Haiducken und Walachen) in den Karpatenbogen hineingetragen wurden. Im Gefolge derselben kamen zu allem Überfluss an Unheil auch noch Seuchenzüge aus dem Osten (besonders Pest und Cholera) sowie Hungersnöte hinzu.

 

Die Verheerungen in Siebenbürgen waren damals ärger, als diejenigen in Mitteleuropa zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Viele Ortschaften gingen für immer unter, andere verloren für immer ihren deutschen Bevölkerungsanteil. Nicht zuletzt begannen aus dieser Situation heraus die erste Auswanderung (1694) aus Siebenbürgen nach Amerika.

 

Es ging letztlich in diesem vielschichtigen Ringen darum, ob Europa christliches Abendland bleiben, oder islamisch-türkisches Morgenland werden sollte. Die Entscheidung fiel 1683 vor Wien, wo die Belagerung durch die Türken scheiterte und der Gegenstoß der österreichischen Kaiserlichen begann. Letztere endete nach vielen Kämpfen in dem etappenweisen Rückzug der Osmanen auf das heutige türkische Restgebiet am südlichen Balkanzipfel.

 

Im Zuge dieser Zurückdrängung des islamischen Halbmondes durch das christliche Kreuz wurde Siebenbürgen als wichtige strategische Bastion und Flankendeckung von der Herrschaft der Türken befreit. Es bekam nach 165 Jahren (1526-1691) wieder Anschluss an das Abendland, an das Herkunfstgebiet der Siebenbürger Sachsen. Dieses historische Geschehen wäre nicht so ohne weiters möglich gewesen, wenn nicht Siebenbürgen trotz osmanischer Oberhoheit ohne Unterbrechung ein selbstständiges abendländisches Fürstentum mit religiöser Toleranz und bürgerlich-bäuerlichen Freiheiten geblieben wären.

 

Die Konsolidierung innerhalb des Karpatenbogens begann 1687 mit dem Einmarsch der österreichisch-kaiserlichen Truppen. Von da an ging es dann Schlag auf Schlag mit der stufenweisen Eingliederung in das Habsburgerreich:

 

1688 sagte sich der siebenbürgische Landtag von der türkischen Herrschaft los und unterstellte das Land Kaiser Leopold I., der 1690 Fürst von Siebenbürgen wurde.

 

1691 bestätigte der Kaiser im so genannten Leopoldinischen Diplom (Leopoldinum) die Landesverfassung, die Religionsfreiheit sowie die Rechte der drei Nationen, der Ungarn, Szekler und deutschen Sachsen.

 

1694 wurde die Poststraße Wien-Buda-Debreczin-Klausenburg in Betrieb genommen. Ab 1695 galt in Siebenbürgen die Leopoldinische Postordnung. Damit erhielt das Fürstentum nach der "Tschauschen" (=amtliche türkische Posten) und der "Tatarenpost" (= tatarische Reiter) ein damals hochmodernes Postwesen.

 

1713 ist erstmals ein Siebenbürgischer Postillion erwähnt, der den flüchtenden Schwedenkönig Karl XII. nach der Schlacht bei Poltawa (Ukraine) über den Roten-Thurm-Pass nach Hermannstadt und von da weiter beförderte.

 

1729 wird das Postamt Hermannstadt eröffnet, 1739 Klausenburg, 1753 Kronstadt und 1769 Bistritz. Bis 1887 waren es insgesamt 158 Postämter in Siebenbürgen.

 

1754 fährt der erste Postwagen, die "Diligence" 1x monatlich Wien-Hermannstadt-Wien. Mit den Postkutschen, der sogenannten " Fahrenden Post" konnten Briefe, Geldbeträge, Päckchen bis 5 kg und auch Reisende befördert werden. In einem "Allgem. Kalender für alle Bewohner des österreichischen Kaiserstaates der christlichen Zeitrechnung 1824" scheint der genaue Fahrplan von 22 Postlinien auf, die von Wien aus in das gesamte Kaiserreich führten.

 

Jeden 2. Montag ging damals die Postkutsche um 8 Uhr 30 vom Wiener Hauptpostamt nach Hermannstadt ab und kam am Mittwochvormittag von dort wieder zurück in Wien an. Das macht für eine Strecke eine Fahrzeit von 30 Stunden aus. Heute benötigt ein PKW auf Autobahnen für diese gleiche Reise nach Hermannstadt, wegen Staus an zwei Grenzen, genau dieselbe Zeit!

 

Auch auf militär-geografischem Gebiet gab es für Siebenbürgen 1769-73 große Fortschritte, als es im Rahmen der josephinischen Landesvermessung (nach Joseph II.benannt) in der gesamten K.u.K.- Monarchie zu einer ersten detaillierten Erfassung im Maßstab 1:28.800 kam. Dieses handgezeichnete und kollorierte Monumentalwerk, auf welchem jedes Haus, jede Mühle, jede Brücke usw. vermerkt ist, befindet sich heute im Kriegsarchiv Wien und versorgt alle Heimatforscher, besonders auch die Siebenbürgischen, mit hochinteressanten Farbkopien.

 

Die Einführung von Katastern und Grundbüchern waren ebenfalls grundlegende Verbesserungen auf kommunal-geografischem Gebiet durch Kaiser Josef II.

 

Am Gesundheitssektor war man in Siebenbürgen im 18. Und 19. Jahrhundert - sowie in allen Grenzländern der Monarchie zu Russland und zur Türkei - ebenfalls sehr fortschrittlich aktiv: Obwohl Bakterien noch unbekannt waren ( Robert Koch entdeckte sie erst 1876) versuchte man die Seuchenzüge durch einen songenannten Sanitätskordon zu stoppen. An allen Grenzübergängen - in Siebenbürgen waren es die Karpatenpässe - wurde eine Sperrkette von Kontumaz - und Rastellämtern angelegt. Das waren Sanitätsstationen, die ersteren zur mehrtägigen Beobachtung von Reisenden, die letzteren zur Desinfektion von Briefen, die durchlöchert und auf Drahtgittern (sog.Rastelln) über Dampf gehalten wurden. Siebenbürgen war auf diese Art durch drei Kontumaz und 5 Rastellstationen abgeschirmt. Sie wurden erst Ende des 19.Jahrhunderts aufgelassen, als man wirkungsvollere Desinfektionsmethoden und -mittel gefunden hatte. ( vergl. Weiter unten bei "Raupenstrauch")

 

Der Ausbau der Eisenbahnlinien erfolgte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Am Ende desselben erhielt Hermannstadt das erste Wasserkraft-Elektrizitätswerk des Habsburgerreiches am Zood-Fluss (rum.Sadu), es war das 4. von ganz Europa!

 

Diese stolzen Leistungen auf vielen Gebieten des Staats- und Kommunlawesens sollen aber nicht den Eindruck erwecken, das alles Gold war, was glänzte. Eine der gelindesten Maßnahmen, die eine fremde Note in das Wesen des Sächsischen Volkskörpers brachte, waren die großzügige Vergabe von Adelsbriefen an Beamte. Sie brachten dem Hof beträchtliche Einnahmen, denn dieses Prädikat kostete den Geadelten etliches! Zugleich keimte damit ein gewisser Standesdünkel auf, der den Sachsen wesensfremd war, einem Volksstamm, bei dem jahrhundertelang " keiner Herr und keiner Knecht", sondern alle frei gewesen waren.

 

Die im Leopoldinischen Diplom proklamierte Religionsfreiheit stand zwar auf dem Papier, aber in der Praxis war trotzdem eine deutliche einseitige Bevorzungung der Katholiken gegenüber den sächsischen Protestanten durch Habsburg offenkundig.

 

Einen Vorteil hatten die Sachsen aber aus dieser Einstellung des Wiener Hofes: Sie bekamen willkommene "Verstärkung" in Form der 1734-36 und 20 Jahre danach aus Oberösterreich (Salzkammergut), Kärnten und der Steiermark zwangsweise ausgewiesenen evangelischen Transmigranten. In Siebenbürgen wurden sie Landler genannt, sie gründeten und stärkten die sehr bald aufblühenden südsiebenbürgischen Gemeinden Großpold, Großau und Neppendorf.

 

Einen ethnisch Mehrfronten-Abwehrkampf hatten die evangelisch-treuen Sachsen nicht nur gegen die gegenreformatorischen Bestrebungen der Österreicher zu führen. Der immer chauvinistischer auftretende ungarische Adel musste in die Schranken gewiesen werden. Dies besonders, nachdem Kaiser Leopold Josef II. die deutsche Amtssprache anstelle der lateinischen in der ganzen Monarchie eingeführt hatte. Dies und die Aufhebung der Leibeigenschaft war natürlich dem ultranational-konservativen Adel der Ungarn sehr zuwider.

 

Als vom Kaiser auch noch die Ständische Verfassung Siebenbürgens und damit der Sächsicshen Nationsuniversität ebenfalls aufgehoben wurde, war das eine existenzbedrohende Maßnahme für die Sachsen. Zutiefst schockiert, fühlten sie sich um ihre verbrieften Rechte betrogen!

 

Um einem größeren Aufruhr zuvorzukommen, nahm der Kaiser am Totenbett 1790 die schwerwiegendsten Verordnungen wieder zurück. Trotzdem machten sich die Gegensätze zwischen Ungarn und Österreichern bei der Revolution von 1848 noch einmal Luft. Sie führten dann aber unweigerlich zum sogenannten Österreichisch-Ungarischen Ausgleich vom Jahre 1867.

 

Man muss hier auch daran erinnern, dass die Ungarn seit der Vertreibung der Türken die Österreicher als dauernde Besatzungsmacht und nicht als Befreier empfanden. In diesem ausgleichenden Vertrag wurden die Spannungen möglichst abgebaut, die Ungarn wurden selbständig, blieben aber durch Personalunion in der Monarchie. Der Österreichische Kaiser war demnach gleichzeitig König von Ungarn, aus der K.K.-Monarchie wurde die K.u.K.-Doppelmonarchie. Siebenbürgen kam wieder an Ungarn zurück, in die so genannte Ungarische Reichshälfte.

 

Was den nun folgenden Chauvinismus und Magyarisierungsdruck anbelangt, so kann man sagen, dass die Sachsen damals aus dem Regen in die Traufe gerieten! Das Ärgste war das Gesetz vom Jahre 1876, welches die jahrhundertelange Autonomie der Sachsen zerschlug, in dem der Königsboden aufgehoben wurde. Dabei waren doch die Sachsen gerade auf Grund dieses Privilegs, welches den deutschen Siedlern durch die ungarischen Könige 1162-1171 zugesichert und im "Goldenen Freibrief" des Königs Andreas II. 1224 bestätigt worden war, also der versprochenen Freiheiten wegen, nach Siebenbürgen gekommen! Nun war diese schützende Bevorzugung ihrer ethnischen und religiösen Minderheit vom Tisch gefegt und die so Entrechteten konnten sich nur noch auf ihre Leistung und Tüchtigkeit verlassen.

 

Die Folge war aber nicht nur Leistungssteigerung, sondern auch Resignation, die Auswanderungen nach Übersee nahmen wieder zu. Auch die Zahl der in Wien und Graz heimisch werdenden Siebenbürger Sachsen stieg an: 1871 wurden die Vereine der Siebenbürger Sachsen in Wien und Graz gegründet, 1884 sogar eine Wiener Sektion des Siebenbürgischen Karpatenvereins.

 

Durch die immer wieder angeheizten Nationalismen nahm die verhängnisvolle Entwicklung ihren Lauf. Im Vielvölkerreich der Habsburger war der beste Nährboden dafür gegeben. Im I. Weltkrieg erhielt dann die K.u.K.-Monarchie den Todesstoß und mit ihr beinahe auch das ganze Abendland. Wird sich letzteres jemals ganz davon erholen? 7o Jahre nachher,1999, im Jahr des Kosovo-Krieges, ist das noch sehr zu bezweifeln.

 

Bis auf den heutigen Tag erinnern unverkennbare Hinweise in Sprache und Speisekarte der Siebenbürger Sachsen an ihre einstige Zugehörigkeit zum Österreichischen Kaiserreich. Um nur einige Beispiele davon zu nennen: Servus, Küssdiehand, Schärzel, Grammelknödel,Semmelknödel, Hendelsträmpel, Wienerschnitzel!

 

Andererseits - so weit bei den Österreichern noch eine Erinnerung an Siebenbürgen vorhanden ist - verbinden sie diese mit der Vorstellung einer gewissen kraftstrotzenden Urwüchsigkeit von "Land und Leuten in den fernen Karpaten"!



Letzte Aktualisierung:  29.12.2004 21:55