Bundesverband der
Siebenbürger Sachsen in Österreich

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Verband
Geschichte
Siebenbürgen, ein Fürstentum unter türkischer Oberhoheit 1529-1688

 

Nach dem Tod Ludwig II. wäre der Habsburger Ferdinand rechtmäßiger Nachfolger des ungarischen Thrones, gemäß der errichteten Erb- und Eheverträgen zwischen Habsburg und Ungarn. Nachdem Mittelungarn ein türkisches Paschalyk, Provinz geworden war, konnte das Erbe nur in dem nicht besetzten West- und Nordostungarn angetreten werden.

 

Siebenbürgen war durch die türkisch besetzten Gebiete von Österreich abgetrennt. So errichtete man ein fast vollkommen autonomes Fürstentum ein, welches die osmanische Oberherrschaft anerkannte. Als Zeichen der Unterstellung zahlte man Tribut, war ansonsten jedoch relativ frei. Auch den Türken war es genehm in ihrem Eroberungszug gen Westen nicht mit dem Preis vieler Opfer Siebenbürgen einnehmen zu müssen. Die Eroberung des Fürstentums wäre sehr kostspielig gewesen.

 

Der siebenbürgische Fürst Johann Zapolyai, auch "König Hans" genannt wird zum Fürsten gewählt, huldigt dem türkischen Sultan und wird auch von ihm anerkannt. Trotz äußerer Gefahr kommt es zum Krieg zwischen Habsburg und Zapolyai. 1529 steht das türkische Heer kurz vor Wien, wo es dann mit Hilfe Deutschlands und Polens aufgehalten wird. Buda, Ofen wird für 145 Jahre Sitz eines türkischen Paschas.

 

Die Siebenbürger Sachsen entscheiden sich für den habsburgischen König Ferdinand und Hermannstadt hält ihm bis 1536 unter größten Opfern die Treue. Die Kronstädter sind realistischer und unterstellen sich dem Fürsten Zapolyai. Nach zwölfjährigem, opferreichen Krieg schliessen die beiden Machthaber Frieden. In Großwardein, heute Oradea, wird 1538 folgende Regelung besiegelt; nach dem Tod Zapolyais erhält Ferdinand von Österreich Siebenbürgen. Dies geschieht jedoch nicht und so entsteht aus Niederungarn und Siebenbürgen das "Großfürstentum Siebenbürgen".

 

Die kriegerischen Auseinandersetzungen hatten die Durchführung der Reformation in Siebenbürgen erleichtert. Der Hof des Sultan war sehr tolerant und mischte sich nicht in Glaubensfragen. 1542/43 wird unter Johannes Honterus die Reformation in Kronstadt/Brasov, durchgeführt. 1547 wird das wegweisende Büchlein:"Kirchenordnung für alle Deutschen in Sybembürgen" gedruckt. 1550 wird offiziell durch die Sächsische Nationsuniversität die neue Lehre auf dem Königsboden eingeführt. Die Landkapitel auf Komitatsboden erklären auch ihre Zugehörigkeit zur neuen Kirche. Zwei evangelische Bischöfe residieren zunächst in Hermannstadt. Ab 1572-1867 wird die etwas abgelegene Marktgemeinde Birthälm zum Bischofssitz. Der Geist des Humanismus ist die Wurzel dieser zum Großteil sanften und vom Volk getragenen Reformation in Siebenbürgen. Schon die demokratischen Lebensordnungen aus vorreformatorischer Zeit wiesen den Weg. Gerade die persönliche Glaubensentscheidung und Verantwortung vor Gott und der Welt kam der siebenbürgisch-sächsischen Mentalität entgegen. Man hatte ja immer als kleines Volk mit der Nationsuniversität einen Sonderstatus. Die Reformation führt zur evangelischen Konturierung des Lebens. Als Folge der Reformation, dieser geistig-geistlichen Bewegung war auch die Verbesserung des kirchlichen Schulwesens. Der Buchdruck ermögliche die Herausgabe der wichtigen Bücher. Die deutsche Sprache ersetzt das mittelalterliche Latein und wird in Kirche und Schule eingeführt. In Kronstadt entsteht das "Honterus Gymnasium" eines unter den Ersten deutschen Mittelschulen in Europa. Die " Kirchenordnung aller Deutschen in Sybembürgen"von Johannes Honterus förderte die Herausbildung der "Geistlichen Universität", der evangelisch-siebenbürgisch-sächsischen Volkskirche. Der hehre Name "Ecclesia Dei nationis Saxonicae", d.h. " Gottes Kirche sächischer Nation" zeigt auch etwas von der hohen Forderung an die Christen einerseits, aber auch eine sehr selbstbewusste, elitäre Haltung anderseits kommt in dieser Bezeichnung zum Ausdruck. Diese Volkskirche prägt über Jahrhunderte in neuer Weise das christlich-genossenschaftliche Zusammenleben ihrer Gemeindeglieder. In ihrer Struktur behielt sie jedoch auch "hochkirchliche und katholische Elemente". Im Bewusstsein des Volkes blieb auch nach der Reformation der Pfarrer und das geistliche Amt etwas Besonderes. Im allgemeinen Priestertum Luthers, behielt der siebenbürgische, evangelische Pfarrer eine "oberpriesterliche Funktion" bis in die letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts.

 

Mit der emanzipatorischen Kraft der Reformation schritt auch der wirtschaftlicher Aufschwung einher. Die Prosperität verlieh Ansehen und die finanzielle Macht auch nötiges politisches Gewicht.

 

1583 schreiben die Verantwortlichen " Der Sachsen in Siebenbürgen Statuta oder eygen Landrecht" nieder und lassen es sich in weiser Voraussicht vom König von Polen und Fürsten von Siebenbürgen Stephan Bathory bestätigen. Hier ist altes Recht festgeschrieben, welches zum Beispiel die persönliche Freiheit aller Mitglieder der Nationsuniversität , das Eigentumsrecht und die wichtige Rechtsgleichheit festhält. Bis 1853 wird dieses Recht gültig sein um danach Schritt für Schritt außer Kraft gesetzt zu werden!

 

Auf dem Thorenburger Landtag wird im Jahr 1557 erstmals in Europa der Grundsatz der gegenseitigen religiösen Duldung, mehr, im eigentlichen Sinn sogar "Glaubensfreiheit" dekretiert. Es gelten ab dato folgende rezipierte Kirchen, bzw. Konfessionen:

 

- die katholische Kirche, zum Großteil ungarisch und szeklerisch

 

- die reformierte Kirche, ungarisch und von ungarischem Adel gefördert

 

- die evangelische Kirche, der siebenbürgisch-sächsischen Bevölkerung

 

- die unitarische Kirche(antitrinitarische) als gleichberechtigte Konfessionen mit Elitebewusstsein und von einigen wichtigen ungarischen Fürstengeschlechtern vertreten.

 

- Die orthodoxe, byzantinisch geprägte Kirche der Rumänen wird als "religio licita" geduldet, muss jedoch einige Einschräkungen auf sich nehmen.

 

Siebenbürgen wird damit zum Hort der Religionsfreiheit in Europa und bietet vielen, in Europa verfolgten religiösen Gruppierungen Schutz und Zuflucht.

 

Da die neue evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen ihren Nachwuchs mangels eigener Universitäten in Siebenbürgen nicht ausbilden kann und auch will, wird auch weiterhin an den westlichen Universitäten inskribiert und studiert. Es ist selbstverständlich, dass die Protestanten eben protestantische Universitäten wählten und damit der Kontakt zu der vorher bevorzugten Universität Wien, abriss. So bleiben sie auch weiterhin dem kulturellen und wissenschaftlichen Leben im Westen verbunden. Trotz den Türken geht von wenigen Ausnahmen abgesehen, der Handel mit dem Westen weiterhin fort. Der Handel mit dem Großvieh nach Wien, Böhmen und Süddeutschland bekommt noch größere wirtschaftliche Bedeutung.

 

Habsburg, das römisch-deutsche Kaiserhaus und zugleich Landesherren Österreichs und Könige Ungarns sind die eigentlichen Träger des Abwehrkampfes gegen die Türken. Der Besitz des Fürstentums Siebenbürgen war ihnen aus wirtschaftlichen aber auch aus strategischen Gründen, sehr wichtig. Die Siebenbürger Sachsen sind dem Haus Habsburg in Treue verbunden und hoffen von diesem mächtigen Kaiser " Möge Gott uns Frieden geben unter unserem deutschen König". Nur mit ihrer Unterstützung konnte man gegen die noch immer starken Türken erfolgreich kämpfen. In diesem Jahrhundert tritt zum Erstenmal in der Geschichte der Siebenbürger Sachsen ihre Zugehörigkeit zum "Deutschtum" auf. Der Hermannstädter Bürgermeister Petrus Haller bezeichnet 1551 das nationale Selbstverständnis der Sachsen als " Deutsche". Gewiss war das nicht seine persönliche Meinung, sondern eine allgemein verbreitete Ansicht unter den Sachsen .

 

Immer wieder meldet das Haus Habsburg dezidiert seinen Anspruch auf Siebenbürgen. 1541 nach dem Tod Zapolyais, 1551 nach dem Thronverzicht der Witwe Isabella und ihres Sohnes Sigismund wird auf die Erbfolge und die Verträge hingewiesen. 1595-1604 durch die Abfindung Sigismund Bathoris wird versucht die eigene Macht zu etablieren. 1645 beginnt der Kampf gegen den grausamen Fürsten Georg Rakoczi I. Erst nach 1687 im Zuge der großen Türkenfeldzüge kommt es zur schrittweisen Rückeroberung Siebenbürgens und die Habsburger führen den Titel "Großfürsten von Siebenbürgen".

 

Unter den Türken lebte die siebenbürgische Bevölkerung gut. Wenn der Tribut gezahlt und ihre Oberhoheit anerkannt wurde durch die gewählten Fürsten, lief alles gut. Sie mischten sich kaum in die inneren Angelegenheiten ein und akzeptieren Siebenbürgen als ein Wahlfürstentum. Die politische Macht der drei Landstände; ungarischer Adel, Szekler und Siebenbürger Sachsen wurde nicht in Frage gestellt. Die einsetzende Gegenreformation in Oberungarn, die mit viel Brutalität verlief und durch die Habsburger veranlasst wurde, provoziert den ungarischen Stolz und das Nationalgefühl. So werden die Siebenbürgischen Fürsten im Dreißigjährigen Krieg auf der Seite der Protestanten , gegen die "Katholische Liga" und das Haus Habsburg kämpfen. Sie sind Mitunterzeichner des westfälischen Friedens.

 

Während Siebenbürgen ein Fürstentum unter türkischer Oberhoheit ist sind die Jahre der starken Fürsten wie Bathori (1571-1586 und Bethlen (1613-1629) ruhige Jahre. Die restliche Zeit ist jedoch gezeichnet von Krieg, Seuchen, Raub, Plünderungen und Hungersnöten. Die Kaiserlichen und Kurutzen sind nicht besser als Türken und Tataren oder auch die moldauischen und muntenischen Hilfsheere. Die schlimmsten Jahre sind die Jahre 1657-1687 , wo innerhalb von zwei Jahren drei Fürsten gewählt und wieder abgewählt wurden. Viele sächische Dörfer werden verwüstet und später von Rumänen besiedelt, da diese in den Gebirgsdörfern seltener heimgesucht werden und auch kinderreichere Familien besitzen. Die hohen Steuern, deren Großteil die Siebenbürger Sachsen tragen müssen, belasten zusätzlich das Land und die Menschen. Die Kriegskontributionen, Einquartierungen der Soldateska und andere Dienste erpressen die letzten Reserven. Wirtschaft, Kultur, Handel und Gewerbe erleben einen noch nie da gewesenen Niedergang. In diesen Jahren haben die Siebenbürger Sachsen fast immer zu dem Hause Habsburg gehalten, die außer großen Versprechungen leider nicht viel mehr taten und sehr bald diesen Einsatz auch vergaßen.

 

Dieses schwere 17. Jahrhundert hat den Menschen das Letzte gefordert. Immer wieder müssen Gefangene von den mordenden Trupp freigekauft und Belagerung abgewehrt werden. Nach den Angriffen und Verwüstungen der Gemeinden, wird in gemeinsamer Anstrengung und Arbeit der verwüstete Ort wieder aufgebaut werden. Viele Orte werden innerhalb von 100 Jahren 5 mal zerstört und danach, in gemeinsamer Anstrengung wieder aufgebaut.



Letzte Aktualisierung:  29.12.2004 21:55