Bundesverband der
Siebenbürger Sachsen in Österreich

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Verband
Geschichte
Erweiterung des andreanischen Rechtsgebietes

 

Zwischen 1350-1526 wird das "andreanische Rechstgebiet, der Königsboden" ausgeweitet. Die ersten Kämpfe mit den aus dem Süden sich nahenden Türken finden statt.

 

Die starken Könige wie König Karl Robert von Anjou und sein Sohn Ludwig II (1342-1382), Sigismund von Luxemburg (1387-1437) und nicht zuletzt Matthias Corvinus (1458-1490) förderten die sächsischen Siedlungen und Städte, um gegen die mächtigen Fürstengeschlechter im Land und gegen die von Außen drohenden Feinde auftreten zu können. So bildet sich ein einheitliches Rechts- und Verwaltungsgebiet der Siebenbürger Sachsen heraus, in welchem die gewährten Freiheiten zur weiteren wirtschaftlichen Prosperität führen. Die Vertreter der Sieben Stühle und der Zwei Stühle - dem Nösnerland und dem Burzenland - vereinigen sich in der "Nationsuniversität der Sachsen in Siebenbürgen". Dieser rechtliche Zusammenschluss aller Siebenbürger Sachsen unter dem Motto "unus sit populus" (einig sei die Gemeinschaft) garantierte den Erfolg im Kampf gegen die Türken und dem machtlüsternen ungarischen Adel.

 

Unter König Matthias erhalten sie 1477 das Recht den Hermannstädter Königsrichter und Grafen, den höchsten weltlichen Vertreter der Sachsen selber zu wählen. Die rechtliche Sicherung der Städte und Dörfer und ihre Wirtschaftskraft ermöglichte den Ausbau ihrer Befestigungsanlagen. Fast jedes Dorf errichtete in gemeinsamer Arbeit aus den Kirchen die auch heute noch berühmten, jedoch immer mehr dem Verfall preisgegebenen Kirchenwehrburgen. Damit wollte man den Heeren des mächtigen Osmanischen Reiches standhalten. So wird der Papst dieses kleine Siebenbürgen nach dem Fall Konstantinopels 1453 als "Schutzschild der Christenheit" bezeichnen.

 

Durch den Zusammenschluss wird die Gemeinschaft stark. Die Selbstverwaltung schenkte ihnen Selbstbewusstsein in dem durch Rechte und Freiheiten abgesicherten Raum. Die ethnische, rechtliche und religiöse Zusammengehörigkeit schmiedete sie zu einem unverwechselbares Völkchen. Das starke Bewusstsein, bedingungsloser Zusammenhalt, wirtschaftlicher Erfolg und politische Bedeutung kann das Überleben in den folgenden Jahrhunderten sichern.

 

Auf dem Adelsboden werden die Rechte der Bauern immer stärker beschnitten und sie werden zu Grundhörigen gemacht. Es kommt zu den beiden Aufständen 1437 und 1514, die blutig niedergeschlagen werden. Ab nun sind auch diese Bauern an die Scholle gebunden und leibeigen.

 

Die Städte erreichen Wohlstand und es kommt öfters zu Spannungen zwischen den oberen und unteren Schichten. Der Ost-West-, aber auch der Nord-Südhandel bereichern die starken Kaufmannsgeschlechter. Die in Zünften organisierten Handwerker tragen ihrerseits mit ihren Leistungen zum wirtschaftlichen Erfolg bei.

 

Seit 1473 schließen die drei siebenbürgischen Stände, der ungarische Adel, die Szekler und die Siebenbürger Sachsen brüderliche Einigungen ab und bilden den ständischen Landtag. In diesem Landtag hatte jeder Stand eine Stimme und konnte sein Veto einlegen. Nur in Übereinstimmung mit den anderen Ständen konnten wichtige Beschlüsse für die Zukunft des Landes fallen. Auch in dieser Zeit haben die Siebenbürger Sachsen den Großteil der Steuern aufgebracht, ein Hinweis auf ihre wirtschaftliche Macht, trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit.

 

Siebenbürgen von den Türken bedroht - Errichtung der Kirchenwehrburgen.

 

Nach 1350 dringen die Türken in Europa vor. 1395 fallen sie von Süden her ins Burzenland ein. 1420 zerstören sie Broos, 1438 Mühlbach, 1479 findet die Schlacht auf dem Brodfeldin der Nähe von Broos/Orastie statt. Zwischen 1420 und 1493 sind fünfzehn Einfälle der Türken zu verzeichnen, die meistens aus dem Süden über den Törzburger Pass und das Eiserne Tor einfallen. Sie sind auf Plünderungen, Raub von Menschen und Vieh aus. Werden Menschen gefangen, müssen sie durch teures Lösegeld freigekauft werden oder sie wandern in die Sklaverei. Schon nach dem ersten Türkeneinfall beginnen die Städte mit der Verstärkung der vorhandenen Wehranlagen und Neubau von Wehrmauern nach neuestem technischen Stand. Hermannstadt/Sibiu widersteht allen Türkenangriffen und Belagerungen und Kronstadt/Brasov wird nach der ersten Niederlage ebenfalls nie mehr erobert. Die kleinen Städte Broos/Orastie und Mühlbach/Sebes werden mehrfach zerstört und können der großen Übermacht nicht standhalten. In Süd- und Mittelsiebenbürgen werden 250 Kirchen zu wehrhaften Burgen umgebaut. Es stellt eine wohl einzigartige und ungeheuer große Leistung dar. Der Umbau der Kirchen zu Wehranlagen, ihre Umringung mit Wehrmauern und -türmen verlangt Einsatz und unvorstellbare Opferbereitschaft. Man wusste um die existenzielle Bedrohung durch die Türken und scheut keine Mühe und Opfer. Zum besseren Verständnis sei gesagt, dass es zum Großteil die Leistung freier Bauern und Städter darstellt und nicht die von weltlichen oder kirchlichen Würdenträgern angeordnete.

 

Durch Rauchzeichen bei Tag und Signalfeuer bei Nacht verständigen sich die Orte bei drohender Gefahr. An erhöhten und wichtigen strategischen Punkten hatte man Späher aufgestellt, die mit einem ausgeklügelten Warnsystem die Bevölkerung verlässlich benachrichtigten. Bei Gefahr treibt man das Vieh in die dichten Wälder, um es vor den Feinden zu verstecken. Die Tore und Türen der Häuser wurden mit starken Balken verrammelt und bilden eine trotzige Abwehrfront. Aus den Häusern wird das Wertvollste in die schützende Wehrburg mitgenommen. In den kleinen Unterkünften hinter den bergenden Mauern war auch die Lagerung von Nahrungsmitteln geplant. Wird zum Kampfe aufgerufen, trug man ein in Blut getauchtes Schwert von Ort zu Ort und sammelt die wehrfähigen Männer zum Kampf. Sie werden von dem ungarischen König, danach den siebenbürgischen Fürsten und später den österreichischen Heerführern geleitet.

 

In allen großen Schlachten gegen die Türken waren auch siebenbürgisch-sächsische Heere dabei, man kämpfte mit von siebenbürgischen Handwerkern angefertigten Waffen. Immer wieder zeichnen sich diese Bauern- und Handwerkerheere durch ihren Todesmut und Kampfwillen aus. Jedoch ließ man wohlweislich nicht alle Männer in den Krieg ziehen. Einige blieben in den Orten zurück, um unvermutete Angriffe der Feinde abzuwehren und die Familien hinter den Wehrburgen zu verteidigen. Aus Hermannstadt und Kronstadt kommen gute Waffen und Kriegsgerät. Kriegführen war für die Siebenbürger Sachsen ein notwendiges Übel. Ihr Sinn stand viel mehr zum Frieden, Wirtschaft und der Arbeit. (Karte Quellen zur Geschichte... Seite 65 Kirchenburg Schönberg)

 

Nach der Schlacht von Mohacs 1526 beginnt ein neuer Abschnitt. Das ungarische Heer und die Verbündeten werden vernichtend geschlagen. König Ludwig II. fällt im Kampf, sowie viele siebenbürgische Adlige, Ungarn, Szekler, Rumänen und Sachsen.

 

Ab diesem Zeitpunkt prangt der türkische Halbmond über Ost- und einem bedeutenden Teil Mitteleuropas.



Letzte Aktualisierung:  29.12.2004 21:55