Bundesverband der
Siebenbürger Sachsen in Österreich

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Verband
Geschichte
Die Kolonisation Siebenbürgens durch westliche Siedler

 

Bergwerkssiedlungen waren erste Siedlungen, welche den Salzabbau betrieben. In den Gold- und Silbergruben von Rodna, Offenburg / Baia de aries, Groß- und Kleinschlatten /Abrud und Zlatna, Altenberg /Baia de Cris und Pernseifen /Baita, wurden vom ungarischen König Bela III. erwähnt. Das Geld, welches er von diesen Fachleuten erhielt, den "hospitibus regis de Ultrasylvas", das heißt den Gastsiedlern der Krone aus Siebenbürgen wurde in Urkunden festgehalten. Die ersten westlichen Gastsiedler, die schon 1071 urkundlich erwähnt werden, waren im Salzbau und in den Gold- und Silberbergwerken beschäftigt. Die Orte Thorenburg/Turda, Burglos/Dej, Kolosch/Cojocna /Szek/Sic und Salzburg/Ocna waren von deutschen Bergleuten bewohnt. Da sie kein deutsches Umland hatten, gingen sie nach der Dezimierung durch Kriege in der dort wohnenden rumänischen Bevölkerung auf.

 

Unter König Geysa II. 1141-1163 werden Siedler aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation nach Siebenbürgen gerufen. Laut Urkunden soll die Hermannstädter Propstei im Altland, der zuerst von Gastsiedlern geschlossen besiedelte Raum gewesen sein. Es gibt aber auch Historiker, die behaupten, dass das Nösner Land zur gleichen Zeit, wenn nicht schon vor dem Hermannstädter Raum besiedelt wurde. Die Zahl der ersten Siedler belief sich auf 2.000- 2.500 Siedler, die sich auf das Geysanum, also das von König Geysa verliehene Gebiet, dem so genannten "Königsboden" ansiedelten. Ihnen folgten im Laufe der Jahrhunderte weitere Siedler.

 

Sie kamen mit ihren "Gräfen", die meist verarmtem oder auch unternehmungslustigem Adel und Geistlichen entstammten, die sich als Lokatoren, als Ansiedler zur Verfügung stellten und die auswanderungswilligen Bauern begleiteten. In Siebenbürgen hatten sie nach der Ansiedlung bis ins 15. Jahrhundert den Ortsadel gestellt. Von der ungarischen Grenze her wurden sie von ungarischen Beamten begleitet und kamen den Mieresch entlang , durch das "Orientalische Tor", von Südwesten ins Land. Einige kamen etwa zweihundert Kilometer nördlicher, bei Oradea=Großwardein, ins Land. Man wurde auf den Königsboden geleitet und das Land wurde den Familien zugewiesen. Die Zuteilung geschah in fränkischen Hufen. 17-54 Familien ließen sich an lebensfreundlichen Orten, meist neben Bächen oder Flüssen nieder, rodeten den Wald und machten den Boden urbar. Sie bauten sich einfache Holzhäuser in gut geplanten Siedlungen.

 

Als der Adel sich jedoch die Rechte der ungarischen Adligen aus Siebenbürgen über die gemeinfreien Siedler anmaßte, wurde ein Teil von ihnen ausgemerzt und ein anderer Teil floh und ging in den ungarischen Adel Siebenbürgens über. Adlige durften seit dieser Zeit nur dann auf Königsboden wohnen, wenn sie auf ihre adligen Vorrechte verzichteten.

 

Es lebten zur der Zeit der Ansiedlung der zum Großteil mosel-fränkischen Siedler einige Völker in diesen sehr dünn besiedelten Gebieten, die nach der Eroberung als Hilfsvölker hier angesiedelt wurden. Es waren vor allem Szekler und Petschenegen. Die Szekler werden aus den nun von deutschen Gastsiedlern besiedelten Gebieten in das heutige Szeklerland umgesiedelt, um den neuen Gastliedern ein geschlossenes und strategisch wichtiges Gebiet zur Besiedlung und "Verteidigung der Krone" zu übergeben.

 

Als das Burzenland durch die Ungarn erobert wird, kommt es zur Vergabe an den Deutschen Ritterorden, der sich nach den Kreuzzügen aus Israel nach Siebenbürgen zurückzog.

 

Auf dem Königsboden können die freibäuerlichen Ansiedlungen und die dort entstehenden Städte als deutsche Siedlungen überleben, mehr noch: sie können bald eine Serie von Tochtersiedlungen errichten. Wahrscheinlich ist es, dass solche Tochtersiedlungen auch im Nösnerland und im Burzenland verstärkt wurden durch weitere Zuwanderungen deutscher Siedler bis zum Ende des 14.Jahrhunderts.

 

Neben dem Königsboden waren es die sächsischen Gräfen von Petersdorf, Kelling, Talmesch, Salzburg und Rodna, die weitere deutsche Siedler ins Land holten. Auch die Klöster und siebenbürgischen Bischöfe siedelten gerne deutsche Bauern auf ihren Ländereien an.

 

Dem Ruf ungarischer Adliger folgten weitere deutsche Siedler in das Gebiet zwischen den beiden Kokeln. Zunächst haben sie fast gleiche Rechte mit den Siedlern auf dem Königsboden. Nach dem 14. Jahrhundert änderte sich jedoch ihre Situation zum Schlechteren und sie gerieten in immer stärkere Abhängigkeit zu den Adligen.

 

Auf dem Königsboden in Siebenbürgen wurde den Siedlern wesentliche Freiheiten zugesichert und ihnen danach in Urkunden übergeben. Diese Freiheiten und die Aussicht auf ein besseres Leben lockten sie aus ihrer Heimat in die Fremde. Auch religiöse Motive spielten gewiss eine Rolle.

 

Es kamen zunächst Siedler vor allem aus dem Rhein-Mosel Gebiet; später folgten Siedler aus ganz Deutschland. Man bezeichnete die Siedler zunächst als Flanderer, sonst als Deutsche und dann als Sachsen. Auch Wallonen waren unter ihnen. Die ersten Gruppen kamen vor allem aus dem Erzbistum Köln und Trier. Sie mussten in ihrer angestammten Heimat erleben, wie ihre Rechte als freie Bauern durch den Adel und die mächtigen Erzbischöfe immer mehr eingeschränkt wurden. Zusätzlich gab es gegen Ende des 11. Jahrhunderts eine kleine "Bevölkerungsexplosion", die durch die Einführung neuer landwirtschaftlicher Techniken wie Pflug und Joch, Wassermühlen und einen starken Geburtenüberschuss ausgelöst wurden.

 

Sie machten sich voller Hoffnung in eine neue Heimat ins ferne Ungarn auf, wo die Krone ihnen bessere rechtliche Freiheiten und wirtschaftliche Vorteile garantierte. Auf dem Königsboden waren sie nur dem König untertan und Rechenschaft schuldig. Sie durften ihre Richter wählen und hatten auch das Recht ihre Pfarrer zu wählen und für diese den Zehnten einzuheben. Die Pfarrer zahlten ein Viertel des Zehnten an den Bischof und organisierten sich in Landkapiteln, denen zunächst der Mediascher Generaldechant vorstand. Die großen Zugeständnisse und Freiheiten, der Aufbruch in jenen Jahrhunderten in das durch die Kreuzzüge geöffnete Osteuropa, religiöse Motive sowie das konkrete wirtschaftliche und strategische Interesse der dortigen Machthaber können die Ostkolonisation teilweise erklären.

 

Ungefähr 100 Jahre nach der Besiedlung des Altlandes und des Nösner Landes folgt die erste schwere Bedrohung. Die dritte und zum Teil auch schon die vierte Generation trat das Erbe an. Man begann die ersten Früchte der Landnahme zu genießen, als 1241 die wilden Horden fremder Krieger aus Asien einbrachen und den verheißungsvollen Anfang durch Krieg, Zerstörung und Brandschatzung bedrohten. Die Siedler waren zum Schutz der Krone gerufen worden und mussten sich nun gegen die Tataren, auch als Hunnen bezeichnete Krieger, wehren. Ganze Landstriche werden nach der Methode der verbrannten Erde verwüstet und die jungen Siedlungen zerstört. Viele der einstigen Siedlungen konnten danach nicht mehr wieder aufgebaut werden. Dieser Erfahrung löste ein Umdenken aus und man baute Fliehburgen und Verteidigungsanlagen, um nicht mehr so leicht Opfer zu werden. An strategisch gut situierten Orten wurden Verteidigungsbauten errichtet. Die etwas besser befestigten Städte erwiesen sich als ein sicheres Bollwerk gegen feindliche Heere. Mit hohem materiellen und physischen Einsatz wird am Ausbau der Befestigungsanlagen der Städte gearbeitet. Als 1285 die Tataren wieder über Siebenbürgen hereinbrechen, treffen sie auf merklichen Widerstand und den unbändigen Kampfeswillen der Bevölkerung und sie können bei Weitem nicht mehr so viel Zerstörung anrichten. Schnell erholen sich die verhältnismäßig jungen Siedlungen und werden wahrscheinlich auch durch weitere Neuzuzüge aus dem Westen gestärkt.

 

Nach nur zweihundert Jahren konnten die deutschen Siedler auf Grund ihrer Rechte und Freiheiten schon ein gut gefügtes und verwaltetes Siedlungsgebiet aufweisen. Der "Goldene Freibrief oder Andreanische Freibrief" 1224 garantierte ihnen die weitestgehensten Freiheiten westlicher Siedler im Osten Europas. Daraus folgte danach auch die große Siedlungsleistung und wirtschaftliche Entwicklung Siebenbürgens. Dieser Aufschwung auf dem Königsboden kurbelte den gesamten Wirtschaftsraum Siebenbürgen an. Die gut gedeihenden Städte, in denen das Magdeburger Stadtrecht galt, werden zu den wichtigsten wirtschaftlichen und kulturellen Zentren Siebenbürgens. Ihre Befestigungsanlagen und ihr Kampfwille stellt eine wesentliche Stütze für den ungarischen König dar. Durch diese Städte konnte der König gegen die Herrschaftsansprüche des Adels antreten und sich auch immer wieder gegen sie durchsetzen.



Letzte Aktualisierung:  29.12.2004 21:55